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Stéphane at competitions

Auf dieser Seite habe ich Stéphanes Wettkämpfe seit 2004 zusammengefasst. Zu jedem Wettkampf findest du hier interessante Informationen zum Ablauf insgesamt, zu den Programmen, die Stéphane dort gezeigt hat und zu seinen Resultaten.

2003/2004

Weltmeisterschaft 2004 in Dortmund

Überrascht schaute die Eiskunstlaufwelt im März 2004 auf den jungen, gerade achtzehnjährigen Schweizer, der völlig unerwartet zuerst seine Qualifikationsgruppe dominierte und dann nach einem kleinen Einbruch im Kurzprogramm eine Kür auf das Eis legte, die es in sich hatte, die Zuschauer zu Begeisterungsstürmen hinriss und mit Bestnoten bewertet wurde.
Auch Stéphane selbst schien nach seiner Kür Schwierigkeiten zu haben zu erfassen, was er gerade geleistet hatte. Zum ersten Mal in einem Wettkampf hatte er zwei Vierfache gezeigt, einen davon in Kombination. Bis zum Schluss hatte er seine Absicht vor seinem Trainer geheim gehalten, aus Angst, die Sprünge könnten ihm misslingen, wenn er etwas verriet.
Die Entscheidung der Richter, Stefan Lindemann noch vor Stéphane auf den Bronzerang zu setzen, war dann auch nicht ganz unumstritten - hier siegte letztendlich wohl der Heimvorteil des deutschen Eiskunstläufers, dem es danach nie wieder gelang, Stéphane zu schlagen.

2004/2005

2004 war ein schwieriges Jahr für Stéphane. Nach seinem großen Erfolg bei der Weltmeisterschaft in Dortmund pausierte er zwei Monate lang, um sich auf die Abschlussprüfungen am Gymnasium von St. Maurice vorzubereiten. Nach bestandener Matura musste er sich zum zweiten Mal am Meniskus operieren lassen. Die langwierige Rekonvaleszenz zwang ihn, unter anderem die gesamte Grand-Prix-Serie auszulassen.

In einem gewaltigen Befreiungsschlag brach er während dieser Zeit fast alle Brücken hinter sich ab. Er trennte sich auf einen Schlag von Freundin Carolina Kostner, Trainer Peter Grütter und Hauptsponsor Oliver Höner (Art on Ice Productions) und zog von zu Hause aus, nach Lausanne in eine WG mit einem Schulfreund.

Cedric Monod, ein ehemaliger Schweizer Paarläufer, trainierte ihn in dieser Zeit und holte auch Majda Scharl ins Team, die sich noch heute um seine Kondition und Vorbereitung kümmert. Nach einem enttäuschenden Auftritt bei der Schweizer Meisterschaft erkannte Stéphane jedoch, dass er nicht auf seinen Trainer von Kindesbeinen an verzichten konnte und kehrte zu Peter Grütter zurück.

Weltmeisterschaft 2005 in Moskau

Nach dem turbulenten Sommer, der Knieoperation und den Unstimmigkeiten im Team Lambiel hatte bei der Weltmeisterschaft in Moskau wohl niemand ernsthaft mit Stéphane gerechnet. Doch der zähe Walliser, der überdies in einer Nacht- und Nebelaktion kurz vorher auch noch seine Kür komplett ausgetauscht hatte, setzte sich bereits zu Beginn des Wettkampfs unangefochten an die Spitze des Feldes. Er siegte in der Qualifikation und im Kurzprogramm jeweils vor Evgeni Plushenko und Brian Joubert. Plushenko zog sich nach dem Kurzprogramm wegen Verletzungsproblemen aus dem Wettkampf zurück - und auf einmal war Stéphane der große Favorit auf den Weltmeistertitel, von allen anderen gejagt. Der Druck auf den gerade Neunzehnjährigen dürfte immens gewesen sein. Dementsprechend unterliefen ihm in der abschließenden Kür einige Fehler, u.a. riss er den Axel nach einer Umdrehung auf und sprang auch den Flip nur einfach. Dafür zeigte er aber zwei wunderbare Vierfach-Toeloops. Er gewann überlegen die Kürwertung mit fast 10 Punkten Vorsprung und wurde hochverdient Weltmeister. Seine überschäumende Freude in der Kiss & Cry Corner dürfte all seinen Fans in warmer Erinnerung geblieben sein.

2005/2006

Die Saison 2005/2006 markiert den Höhepunkt von Stéphanes Karriere. In keiner Saison davor und in (bisher) keiner danach konnte er so viele Siege und hervorragende Platzierungen feiern wie in dieser. Er wurde Vize-Europameister in Lyon, gewann das Grand-Prix-Final, holte bei den Olympischen Winterspielen in Turin trotz schwerer Verletzung die Silbermedaille und wurde in Calgary zum zweiten Mal Weltmeister.

Olympische Winterspiele 2006 in Turin

Die Olympischen Spiele in Turin waren für Stéphane eine einzige Achterbahnfahrt. Zwei Wochen vor der geplanten Abreise nach Turin verletzte er sich bei einem Sturz beim dreifachen Axel schwer und erlitt eine Außenbahnüberdehnung. Eine Woche Trainingspause war die Folge, intensive Physiotherapie war nötig. Gerade noch rechtzeitig für die Spiele erholte er sich, verpasste jedoch die Eröffnungsfeier. Nach dem Kurzprogramm lag er auf Platz 3 hinter dem bereits unerreichbaren Plushenko und dem Amerikaner Johnny Weir. Beim Training für die Kür am Mittwoch stürzte er dann erneut auf das verletzte Knie, zusätzlich kämpfte er mit einer Grippe, startete also unter denkbar schlechten Voraussetzungen in den abschließenden Wettkampf am Donnerstag abend. Dennoch gab er alles, zeigte zur Musik von Antonio Vivaldis Vier Jahreszeiten, was für ein Kämpfer in ihm steckte und holte sich die Silbermedaille, von der er nachher sagte, sie sei für ihn Gold wert.

Auf dem Podest wurde er dann von seinen Emotionen überwältigt, der ganze Druck fiel von ihm ab und er weinte. Die Bilder von seinen Tränen gingen um die Welt.

Weltmeisterschaft 2006 in Calgary

Nach seinem großen Erfolg bei den Olympischen Spielen war eine Zeitlang nicht klar, ob Stéphane überhaupt zur Weltmeisterschaft nach Calgary fliegen würde - auch aufgrund eines erneuten Trainingssturzes auf das ohnehin schon lädierte Knie. Nachdem er aber bei den Art on Ice Shows schmerzfrei springen konnte und viel Begeisterung vom Publikum erfahren hatte, entschied er sich nach einer abschließenden Untersuchung zur Teilnahme - und erkämpfte sich mit einer furiosen, begeisternden Leistung den erneuten Weltmeistertitel. Er gewann die Qualifikation mit einer nahezu fehlerlosen Kür, wurde 4. im Kurzprogramm und gewann die Kürwertung. Sowohl in Qualifikation als auch in der Kür zeigte er den dreifachen Axel - so sicher, als hätte er nie Probleme mit ihm gehabt.

2006/2007

In dieser Saison musste Stéphane zum ersten Mal den Strapazen seiner langen und erfolgreichen Karriere Tribut zollen. Nach einem für ihn enttäuschenden Verlauf der Schweizer Meisterschaft, bei der er zum ersten Mal seine gefeierte, höchst anspruchsvolle Flamenco-Kür gezeigt hatte, erklärte er zu den Europameisterschaften aufgrund von Motivationsmangel und fehlendem inneren Feuer Forfait und ließ auch offen, ob er zur Weltmeisterschaft antreten würde.

Weltmeisterschaft 2007 in Tokio

Die Art on Ice-Shows in Zürich und Lausanne und die eigens für ihn arrangierte Show "Stéphane Lambiel & friends" in Davos gaben Stéphane rechtzeitig zur Weltmeisterschaft in Tokio die Motivation zurück und er entschloss sich zur Teilnahme. Das Kurzprogramm erwies sich wie so oft als Stolperstein für ihn - er stürzte beim dreifachen Axel und wurde dadurch so aus dem Konzept gebracht, dass er auch die anschließende Vierfach-Dreifach-Kombination auf eine Dreifach-Doppelt-Kombination reduzierte und auf dem 6. Platz landete.

Mit seiner erstmalig an einem internationalen Wettkampf gezeigten, extrem schwierigen Flamenco-Kür kämpfte er sich zurück, zeigte eine fast fehlerfreie Leistung und gewann am Ende hinter Brian Joubert und Daisuke Takahashi die Bronzemedaille.

2007/2008

Europameisterschaft 2008 in Zagreb

Mit dem festen Ziel, endlich Europameister zu werden - ein Titel, der ihm nach zwei Weltmeister-Titeln immer noch fehlte - reiste Stéphane im Januar 2008 nach Zagreb. Das Kurzprogramm verlief enttäuschend, er stürzte beim Axel, sprang danach statt der sonst so sicheren Vierfach-Dreifach-Kombination nur eine Dreifach-Doppelt-Kombination und erhielt eine entsprechend niedrige Punktzahl. Bei der Kür, seinem atemberaubenden Flamenco, zeigte er jedoch, was in ihm steckt, zauberte eine famose Leistung aufs Eis und gewann am Ende zum zweiten Mal bei Europameisterschaften die Silbermedaille.

Weltmeisterschaft 2008 in Göteborg

Die "Schicksalsweltmeisterschaft": hier erkämpfte sich ein angeschlagener und ausgebrannter Stéphane Lambiel einen enttäuschenden fünften Platz - sein schlechtestes Resultat bei internationalen Wettkämpfen seit 2004. Während des Kurzprogramms verletzte er sich den linken Adduktor, eine Verletzung, die ihn heute noch beeinträchtigt und die ihn im Oktober 2008 zum Rücktritt zwang. Weil sein vierfacher Toeloop abgewertet wurde, erwog er kurz, zur Kür gar nicht mehr anzutreten, tat es dann aber doch, war jedoch zu unsicher und machte zahlreiche kleinere Fehler. Am Ende reichte es nur für den fünften Platz.

2009/2010

Überraschend erklärte Stéphane Lambiel im Juli 2009 seinen Rücktritt vom Rücktritt, um noch einmal bei Olympischen Spielen antreten zu können. Die Verletzung, die ihn ein Jahr zuvor zum Rückzug vom Wettkampfsport gezwungen hatte, war zwar nicht verheilt, doch dank eines neuen Ansatzes bei der Physiotherapie und intensiven Behandlungen in Kanada hatte er die Schmerzen "unter Kontrolle". Seinen ersten Wettkampf der olympischen Saison bestritt er in Oberstdorf bei der Nebelhorn Trophy, wo er sich zugleich auch für die Spiele qualifizierte. Erwartungsgemäß dominierte er das - vorwiegend mit jungen, unerfahrenen Läufern - besetzte Starterfeld und gewann überlegen.

Für eine Teilnahme an den Grand Prix' der Saison war es jedoch zu spät, die Einladungen waren bereits ausgesprochen worden. Stéphanes nächster Wettkampf war daher die Schweizer Meisterschaft in Lugano, wo er zum neunten Mal Schweizer Meister wurde - und dann galt seine gesamte Konzentration den Europameisterschaften in Tallinn.

Europameisterschaft 2010 in Tallinn

Die Europameisterschaft in Tallinn war der erste ernsthafte Wettkampf für Stéphane nach seinem Comeback im Herbst 2009 und zugleich der letzte Test vor den Olympischen Spielen in Vancouver. Der Weg zu dieser Europameisterschaft war hart für Stéphane. Konstantes Training war aufgrund seiner ständigen Schmerzen kaum möglich, statt Quantität war vor allem Qualität gefragt - und weit mehr Raum als das Eistraining nahm regelmäßige Physiotherapie ein.

Im Kurzprogramm zeigte Stéphane Nerven: die Kombination aus Vierfach- und Dreifachtoeloop misslang ihm, nachdem er bei der Landung des Vierfachen die Hand zu Hilfe nehmen musste. Auf den fünften Platz zurückgefallen, war seine Ausgangsposition für die Kür denkbar schwierig. Doch Stéphane bewies, dass ein echter Kämpfer in ihm steckt und holte sich mit einer grandiosen Aufholjagd und der schönsten Kür des Abends - seinem neuen Meisterwerk zur Musik von Verdis "La Traviata", einem alten Traum seines Trainers Peter Grütter - sensationell und unerwartet die Silbermedaille.

Olympische Winterspiele 2010 in Vancouver

Die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Vancouver war sein Ziel, als Stéphane im Juli 2009 nach dem verletzungsbedingten Rücktritt sein Comeback in den Wettkampfsport ankündigte. Von da an konzentrierte er sich voll und ganz auf den Weg, der vor ihm lag, investierte viel Zeit in Physiotherapie, um die immer noch schmerzende Verletzung in den Griff zu bekommen und viel Zeit in das Training der Höchstschwierigkeiten. Noch einmal bei Olympischen Spielen teilzunehmen, das Erlebnis Olympia auskosten und idealerweise die Goldmedaille gewinnen, das war sein Traum. Leider hat sich dieser Traum nicht ganz erfüllt.

Als Fahnenträger führte er die Schweizer Delegation bei der Eröffnungsfeier strahlend und voller Stolz ins Stadion - und allein dieser eine Moment, den er sicher niemals vergessen wird, wird ihn für die Anstrengungen und die Schmerzen, die er für sein Comeback auf sich genommen hat, vielfach entschädigen, allein dafür hat es sich schon gelohnt.

Der Sprung auf das Podest blieb ihm jedoch verwehrt. Nervosität und Anspannung brachten ihn um die Medaille, ein halber Punkt fehlte ihm am Ende. Er zeigte zwei technisch höchst anspruchsvolle Programme, wobei aber vor allem der Kür aufgrund seiner Anspannung die Leidenschaft fehlte. Sowohl beim Kurzprogramm als auch bei der Kür erlief er zwei neue persönliche Bestleistungen. Dennoch verließ er das Eis nach der Kür sichtlich enttäuscht, er war seinen hohen Erwartungen an sich selbst, das Publikum mit leidenschaftlichen Darbietungen zu verzaubern, nicht gerecht geworden.